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Demenz

Das Symptom der Vergesslichkeit kennen wir alle. Unser Gedächtnis lässt uns manchmal im Stich. Wir verlegen die Autoschlüssel, vergessen einen Geburtstag oder wissen nicht mehr, was wir eigentlich im Keller wollten. Vergesslichkeit in Maßen ist völlig normal.

Die Frage ist, ab wann wird es ernst?

Erst wenn mehrere Warnzeichen auftreten, besteht ein Verdacht auf eine Demenzerkrankung. Entscheidend ist, dass es sich um Veränderungen im Vergleich zu früher handelt. Dabei sind eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, fehlende Orientierung und Probleme bei der Planung des Alltags die Leitsymptome. Mit Hilfe psychometrischer Testverfahren lassen sich die Symptome genau einordnen.

In unserer Praxis ermitteln wir gemeinsam mit Ihnen ob und welche Demenzerkrankung vorliegt. Anschließend planen wir mit Ihnen Ihre individuelle Therapie.

Im ersten Schritt ist es wichtig, herauszufinden, ob eine primäre oder eine sekundäre Demenz vorliegt.

Primäre Demenzerkrankungen haben eine hirnorganische Ursache.

Eine sekundäre Demenz entsteht als Folge einer anderen Organerkrankung. Ursachen hierfür können etwa ein Unfall mit einer Kopfverletzung, ein Tumor oder ein Schlaganfall sein, aber auch die regelmäßige Einnahme von Drogen oder starker Alkoholkonsum. Heftige emotionale Belastungen oder chronischer Stress können ebenfalls zu Hirnleistungsstörungen führen. Im Unterschied zu den primären Demenzen bilden sich diese Demenzen in der Regel zurück, wenn die Ursache behandelt wird.

Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, da die beiden Formen unterschiedlich behandelt werden, sprich die therapeutischen Möglichkeiten und medikamentösen Therapieansätze unterscheiden sich. Was bei der einen Form hilft, kann bei der anderen Form schädlich sein. Indem wir die Krankengeschichte genau erfragen (Anamnese) und Patient wie Angehörige mitarbeiten, können wir die Demenzerkrankung eingruppieren und eine hilfreiche Therapie einleiten.

Menschen mit einer beginnenden Demenzerkrankung haben oft Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Auch die Fähigkeit, sich örtlich und zeitlich zu orientieren, lässt bei Betroffenen zunehmend nach.

Ein weiterer Hinweis kann sein, wenn Betroffene mehr Zeit für vertraute Aufgaben brauchen und dabei häufig Fehler passieren.

Menschen mit Morbus Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz haben zunehmend Schwierigkeiten mit der Organisation und Planung von alltäglichen Aktivitäten. Betroffene werden unsicher und trauen sich immer weniger zu.

Oft kommen Sprachschwierigkeiten hinzu, so dass sich die Betroffenen nicht mehr klar und ohne Unterbrechung mitteilen können. Sie finden die passenden Worte nicht oder brechen mitten in einem Satz ab. In der Folge werden viele Betroffene im Laufe der Krankheit wortkarg.

Die Herausforderungen im Alltag und das Unvermögen, mit den Belastungen umzugehen, führen zu fehlendem Antrieb. Eine Folge ist sozialer Rückzug. Die Patienten vernachlässigen ihre Kontakte zu Freunden, Bekannten oder Verwandten. Sie ziehen sich aus Schamgefühl mehr und mehr zurück.

Ein gravierender Einschnitt für die Angehörigen ist die Persönlichkeitsveränderung, oft kombiniert mit unangemessenem Verhalten der Betroffenen, wie zum Beispiel erhöhter Reizbarkeit und Aggressivität oder taktlosen Benehmens. Bei manchen Demenzerkrankungen treten solche Veränderungen besonders ausgeprägt auf.

Meist äußert der Hausarzt den Verdacht einer Demenz als Erster. Wir als Fachärzte können durch weiterführende neurologische und psychiatrische Untersuchungen feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Demenz handelt.

Dabei steht ein ausführliches Arztgespräch zu Vorgeschichte der Erkrankung (Anamnese) ganz am Anfang. Wir benötigen dazu zwingend die Mithilfe eines Angehörigen.

Eine eingehende Untersuchung des körperlichen und psychischen Gesundheitszustands, sowie eine neuropsychologische Untersuchung sind nötig. Nur so können wir eine Demenzerkrankung feststellen, genauer zuordnen, die Ursache benennen und behandeln.

Die häufigste primäre Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung.

Ihren Namen erhielt diese Erkrankung von dem Forscher Alois Alzheimer, der als erster die typischen Veränderungen im Gehirngewebe feststellte. Er fand heraus, dass sich bei der Alzheimer-Demenz bestimmte Eiweiße (Amyloid-Plaques) und fadenförmige Zellbestandteile (Neurofibrillenbündel) im Gehirn ablagern, die zum Absterben der Nervenzellen führen. Daneben kommt es zu einer Störung der Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen, weil bei der Alzheimer-Demenz der Nervenbotenstoff Acetylcholin im Gehirn stark vermindert ist.

Die Betroffenen leiden unter einer Verschlechterung ihres Kurzzeit- und später auch Langzeitgedächtnisses. Sie können sich immer schlechter orientieren.

Die Diagnose „Alzheimer-Demenz“ ist in der Regel eine „Ausschluss-Diagnose“. Das heißt: Wenn wir keine andere Ursache finden, nehmen wir eine „Demenz vom Alzheimer-Typ“ an. Neben einer körperlichen Untersuchung sind Blutproben erforderlich, um beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen auszuschließen.

Wir veranlassen eine Aufnahme des Gehirns mit sogenannten bildgebenden Verfahren wie der Computer-Tomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), um sonstige Hirnerkrankungen auszuschließen. Oftmals ist auch eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik) nötig, um zum Beispiel eine entzündliche Erkrankung des Gehirns auszuschließen.

 

Eine weitere Demenzerkrankung, die infolge krankhafter Ablagerungen in den Nervenzellen entsteht, ist die sogenannte Lewy-Körperchen-Demenz. Sie ist mit rund 20% die zweithäufigste Demenzform.

Friedrich Lewy, Nervenarzt und Forscher, beschrieb erstmalig die Krankheitssymptome und entdeckte die für diese Erkrankung typischen Ablagerungen in den Nervenzellen, die sogenannten Lewy-Körperchen.

Bei der Lewy-Körperchen-Demenz werden die Nervenzellen vor allem in der Großhirnrinde und im Hirnstamm zerstört. Bei dieser Demenzform ist die Bildung des Nervenbotenstoffes Dopamin verringert.

Betroffene leiden unter starken Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwankungen. Oft treten zusätzlich optische Halluzinationen auf. Weitere Symptome können, ähnlich wie bei der Parkinson Erkrankung, erhöhte Muskelspannung und –steifigkeit, unwillkürliches Zittern der Hände in Ruhe oder eine auffällige Langsamkeit der Bewegungen sein.

 

Die dritte wichtige Form der primären Demenzerkrankung ist die frontotemporale Demenz. Der Anteil dieser Demenz wird vermutlich unterschätzt. Er liegt schätzungsweise bei 10 bis 20%. Bei dieser Form der primären Demenz sterben Nervenzellen aus dem Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns ab. Dieser Bereich kontrolliert Gefühle und das erlernte Sozialverhalten.

Betroffene dieser Demenzform sind oft jünger als Betroffene der Alzheimer-Demenz, meist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Die Patienten zeigen zuerst nicht die klassischen Anzeichen einer Demenz, wie Vergesslichkeit oder Verwirrtheit. Stattdessen tritt bei ihnen eine Veränderung der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Beispielsweise ungewohnte Aggressivität, Taktlosigkeit, Teilnahmslosigkeit oder Verwahrlosung.

Hier ist es wichtig, durch eine gezielte Erfragung der Vorgeschichte (Anamnese) die zeitliche Abfolge der Symptome herauszufinden, um die Symptome zu psychiatrischen Erkrankungen abzugrenzen.

Eine häufige Ursache der Demenz sind Durchblutungsstörungen im Gehirn. Diese Formen nennt man vaskuläre Demenz. Durch verminderte Durchblutung werden die Nervenzellen kurzzeitig oder über eine längere Zeit hindurch mit zu wenig Sauerstoff versorgt.

Hier kann durch eine gezielte Therapie der Durchblutungsstörung und der zugrundeliegenden Ursache (häufig Bluthochdruck oder Diabetes) eine Besserung der Symptome erzielt werden. In diesem Fall werden wir uns gemeinsam mit Ihrem Hausarzt oder Internisten um eine passende Therapie bemühen.

Die medizinische Behandlung der primären Demenz vom Alzheimer-Typ setzt unter anderem beim Botenstoff Acetylcholin im Gehirn der Kranken an. Wir setzen Arzneimittel ein, die den natürlichen Abbau des Acetylcholins verzögern, indem das abbauende Enzym gehemmt wird.

Bei einem Teil der Betroffenen verbessern sich Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit durch derartige Medikamente. Mitunter verzögern sie auch das Fortschreiten der Symptome. Den eigentlichen Krankheitsprozess, der im Gehirn stattfindet, können sie aber nicht verzögern oder stoppen.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Medikamenten, welche die Begleitsymptome einer Demenzerkrankung wie Unruhe, Sinnestäuschungen, Angst oder Schlafstörungen lindern können.

Es gibt Patienten, die gut, weniger gut oder gar nicht auf die unterschiedlichen Substanzen reagieren. Die Gründe dafür sind bisher nicht bekannt. Wir beginnen eine Therapie deshalb immer in enger Abstimmung mit unseren Patienten und Ihren Angehörigen.